Daniel Günther, übernehmen Sie
Ich hätte da eine Idee.
22 Prozent der Deutschen sagen, sie würden das Land verlassen, wenn die AfD die Bundesregierung übernimmt. Wenn dieser bundesweit erhobene Wert auch nur annähernd für Sachsen-Anhalt gilt, reden wir über rund 466.000 Menschen.
Lieber Daniel Günther: Nicht reden. Machen. Holen Sie diese Leute nach Schleswig-Holstein und gewinnen sie so sicher die Landtagswahl im April 2027.
Die Demokraten aus Sachsen-Anhalt müssen schließlich nicht gleich aus Deutschland auswandern. Das wäre doch übertrieben. Es reicht völlig, Sachsen-Anhalt zu verlassen. Schleswig-Holstein liegt am Meer, ist ebenfalls ein Flächenland und wird von einem Ministerpräsidenten regiert, der noch ganze Sätze sagen kann, ohne anschließend von seiner eigenen Partei zurückgepfiffen zu werden.
Die Kampagne liegt auf der Hand: „Demokraten ans Meer“
Schleswig-Holstein hat heute knapp drei Millionen Einwohner. Mit 466.000 neuen Bürgerinnen und Bürgern wären es plötzlich rund 3,4 Millionen. Das Land würde auf einen Schlag um fast 16 Prozent wachsen.
Das ist keine Binnenwanderung mehr. Das ist eine Übernahme. Aber diesmal eine freundliche. Die Menschen bringen ihre Möbel sogar selbst mit.
Und vermutlich kommen genau diejenigen, die Schleswig-Holstein gut gebrauchen kann: Lehrerinnen, Ärzte, Pflegekräfte, Ingenieurinnen, Handwerker, Unternehmerinnen und Menschen, die nicht bei jeder schlechten politischen Entscheidung sofort „Volksverräter“ unter einen Facebook-Beitrag schreiben.
Gegen diesen Zustrom kann doch selbst die AfD in Schleswig-Holstein nichts haben. Es kommen schließlich Deutsche. Aus Deutschland. Mit deutschem Pass, deutscher Steuererklärung und vermutlich sogar einem ordnungsgemäß geführten Bonusheft beim Zahnarzt.
Deutscher wird es nicht.
Kein Visum, kein Sprachkurs, kein Asylverfahren. Höchstens ein Einführungskurs in Fischbrötchen, Windkraft und die Frage, warum auf Sylt inzwischen mehr Münchner als Möwen leben.
Auch finanziell wäre das ein Riesengeschäft. Hunderttausende neue Arbeitnehmerinnen, Unternehmer und Steuerzahler würden Schleswig-Holstein wirtschaftlich nach vorn bringen. Die kleine Northvolt-Pleite wäre komplett vergessen. Ein Land, das heute selbst noch Geld aus dem Finanzkraftausgleich erhält, könnte plötzlich so gut dastehen, dass es einzahlen muss.
Ich gebe zu: Das sollte Daniel Günther im Wahlkampf lieber nicht zu laut sagen. Demokratische Haltung ist eine schöne Sache. Aber beim Länderfinanzausgleich hört der Spaß bekanntlich auf.
Das wirklich Großartige passiert allerdings in Sachsen-Anhalt. Dort blieben nur noch etwa 1,65 Millionen Menschen zurück. Das Land würde damit sogar eine seiner vier Stimmen im Bundesrat verlieren.
Man muss sich das einmal vorstellen: Die AfD gewinnt eine Wahl so deutlich, dass das eigene Bundesland anschließend in Berlin weniger zu sagen hat.
Das ist echte politische Gestaltungskraft. Andere Parteien verlieren Stimmen bei Wahlen. Die AfD verliert sie danach.
Daniel Günther muss sich allerdings beeilen. Am 18. April 2027 wird in Schleswig-Holstein gewählt. Wer mitwählen will, muss spätestens am 7. März dort wohnen. Günther bleiben also ziemlich genau sechs Monate, um 466.000 Menschen Richtung Norden zu bringen.
Das sind rund 2.600 Neu-Schleswig-Holsteiner am Tag.
Wir brauchen also Sonderzüge, Busse und eine sehr lange Kolonne auf der A2 und A7. Die Deutsche Bahn müsste dabei pünktlich fahren. Das ist zugegebenermaßen der unrealistischste Teil meines gesamten Vorschlags.
Am Magdeburger Hauptbahnhof könnte Daniel Günther persönlich stehen und Begrüßungspakete verteilen: eine Regenjacke, ein Fischbrötchen und die Telefonnummer eines Immobilienmaklers mit abgeschaltetem Handy.
Die AfD müsste danebenstehen und klatschen. Schließlich passiert genau das, was sie ständig fordert: Deutsche Fachkräfte werden bevorzugt, es gibt keinerlei Probleme mit Pässen und niemand muss integriert werden. Außer vielleicht in Dithmarschen. Aber das gilt dort auch für Menschen aus Kiel.
Natürlich wählen die Neuankömmlinge nicht alle automatisch CDU. Das ist das Ärgerliche an Demokratinnen und Demokraten: Sie machen am Ende, was sie wollen. Es gibt für den Umzug keine Wahlpflicht und für Daniel Günther kein demokratisches Bonusheft: zehn Sachsen-Anhalter geholt, eine Stimme gratis. Eins ist sicher: Die AfD würde keine neuen Wählerinnen gewinnen.
Aber es könnten genügend Menschen sein, die sagen: Der Günther hat nicht nur geredet. Der hat uns geholt. Der hat aus einem Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt ein Konjunkturprogramm für Schleswig-Holstein gemacht.
Während die Bundes-CDU noch darüber diskutiert, wie hoch und wie feuerfest die Brandmauer sein muss, macht Daniel Günther einfach die Tür auf.
Sachsen-Anhalt verliert Menschen, Fachkräfte, Steuereinnahmen, Wirtschaftskraft und eine Stimme im Bundesrat. Schleswig-Holstein gewinnt alles.
Die AfD hätte damit tatsächlich ihre Remigration.
Nur andersherum.
Und das wäre doch die schönste Pointe dieses ganzen Elends: Die AfD gewinnt Sachsen-Anhalt – und Schleswig-Holstein wird stärker.
Daniel Günther, übernehmen Sie. Es sind nur noch sechs Monate. Und 466.000 Umzugskartons.
Bitteschön. Danke.